Kategorisierung von Depottransaktionen

  • Hallo liebe Community,

    ich wünsche euch einen schönen und ruhigen Sonntag.

    Bei mir hat sich im Bereich Wertpapierverwaltung in Buhl eine Frage ergeben, die ich gerne in die Runde geben möchte, um zu erfahren, wie ihr damit umgeht.

    Nehmen wir an, ich habe am 30.07.2025 (Valuta: 01.08.2025) 10 Aktien à 100 Euro gekauft. Die Aktie stieg um 10 %, und am 29.08.2025 (Valuta: 01.09.2025) verkaufe ich die Aktien zu 110 € pro Stück. Für eine Transaktion berechnet mir mein Broker 2,50 € Gebühr.

    (In meinem Beispiel rechne ich nur mit 25 % Kapitalertragsteuer der Einfachheit halber; Solidaritätszuschlag und Freistellungsauftrag bleiben zunächst unberücksichtigt.)

    Dann habe ich folgende Transaktionen in meinem Depot:

    Soweit so gut – das macht alles noch Sinn :D.

    Spannender ist für mich die Darstellung unter Auswertungen > Einnahmen und Ausgaben > Cashflow: nach Lebensbereich und Monat.

    Unkategorisiert ergibt sich folgendes Bild:

    Die Bestandsänderung ergibt für mich auch Sinn: einmal erhöht sich mein Bestand um die Aufwendungen (Kaufpreis + Gebühr) und reduziert sich wieder um (Verkaufspreis – Gebühr – Steuern).

    Die Kursschwankung ist für mich nicht klar. Die 2,50 € vom 01.08. ist klar, das ist die Gebühr. Dann habe ich die Kursschwankung um die 10 % (100 €) am 29.08.2025, und die mit Abstand verwirrendste ist die am 01.09.2025 mit –27,50 €. Ich verstehe schon, dass es sich hier um die Kapitalertragssteuer mit 25 € handelt sowie um die Gebühr.

    Meine Verwirrung kommt daher, dass es so aussieht, als wäre der Aktienkurs im September abgerutscht. In Wirklichkeit sind aber Steuern und Gebühren die Auslöser dafür gewesen, dass sich mein Vermögen reduziert hat. Das würde ich aber spontan nicht bei den Kursschwankungen vermuten :/

    Ist das einfach unglücklich dargestellt, oder ist der Begriff Kursschwankung unglücklich gewählt, oder sehe ich das grundsätzlich falsch?

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    Noch schwerer tue ich mir bei der Einkategorisierung der Transaktionen auf dem Verrechnungskonto. Ich sehe da unterschiedliche Möglichkeiten, aber keine macht mich so wirklich glücklich.

    Variante 1: Make it Simple

    Ich könnte den Ankauf unter Sparen & Vorsorge > Sparen > Depot/Vermögensverwaltung > Einzelaktien buchen und den Verkauf unter Einkünfte > Kapitalerträge > Wertpapiererträge > Gewinne aus Aktien und Fonds.


    + Sehr simple Einkategorisierung

    o Keine Übersicht über Steuern und Gebühren (vielleicht auch nicht notwendig, da diese aus dem Wertpapierbereich hervorgehen)

    - Es scheint so, als hätte ich 1.072,50 € als Gewinn realisiert; de facto waren es aber nur 70,00 €

    - Wenn ich in einem Monat mit den selben 1.000 € immer wieder an- und verkaufe, habe ich einen sehr hohen Betrag beim Sparen und einen ähnlich hohen bei den Gewinnen. Schlussendlich stimmt aber beides nicht, sondern ich hatte einfach viele Transaktionen in dem Monat.

    Variante 2: Aufsplitten der Verkaufsbuchung

    Ich kann die Verkaufsbuchung ebenfalls aufsplitten und nur den echten Gewinn als Gewinn verbuchen, während ich die ursprüngliche Investition unter Sparen & Vorsorge > Sparen > Depot/Vermögensverwaltung > Einzelaktien buche.




    + Ich habe den wirklichen Gewinn bei den Einnahmen.

    + Auch Sparen ist aussagekräftiger. Schlussendlich habe ich ja nicht wirklich etwas gespart, wenn ich die Aktien wieder verkaufe.

    o Keine Übersicht über Steuern und Gebühren (vielleicht auch nicht notwendig, da diese aus dem Wertpapierbereich hervorgehen).

    - Die Beträge bei Sparen stimmen nicht, da sich die Gebühren darin verstecken.


    Variante 3:

    Baut auf Variante 1 auf, ich stelle aber die Transaktionsgebühren und die Steuern deutlicher heraus.


    + Gebühren und Steuern gehen deutlich hervor.
    – Es scheint so, als hätte ich 1.100 € als Gewinn realisiert; de facto waren es aber nur 70,00 €.
    – Wenn ich in einem Monat mit den selben 1.000 € immer wieder an- und verkaufe, habe ich einen sehr hohen Betrag beim Sparen und einen ähnlich hohen bei den Gewinnen. Schlussendlich stimmt aber beides nicht, sondern ich hatte einfach viele Transaktionen in dem Monat.


    Variante 4:

    Baut auf Variante 2 auf – ich stelle aber die Transaktionsgebühren und die Steuern deutlicher heraus.

    + Gebühren und Steuern gehen deutlich hervor

    ○ Gewinne aus Aktien sind zwar vor Steuern angegeben, aber ich habe die Kapitalertragsteuer ja separat ausgewiesen

    Meine Vor- und Nachteillisten sind sicher nicht vollständig, und vielleicht gibt es noch Seiteneffekte, die ich gar nicht berücksichtigt habe. Wahrscheinlich gibt es auch gar kein Richtig oder Falsch, sondern es hängt viel mehr davon ab, was ich wirklich darstellen möchte.

    Vielleicht bin ich da auch einfach zu sehr als Erbsenzähler unterwegs :D.

    Mich würde interessieren, welche Variante ihr bei euch umgesetzt habt oder ob ihr das nochmal ganz anders handhabt.

    Ich wünsche euch einen schönen und gemütlichen Sonntag!

    Eure Agathe.

  • Variante 1 ist das, was es ist. Du hast Ausgaben und du hast Einnahmen. Du kannst bei der Einnahmenbuchung natürlich auch noch Gebühren und Steuern durch Aufteilung mit buchen, wenn es dir wichtig ist.

    Den tatsächlichen Gewinn kannst du im Depot selbst erkennen. Hierfür ist die Auswertung auf dem Verrechnungskonto nicht gedacht. Hier hast du eben Ausgaben in Höhe von 1002,50 € und Einnahmen in Höhe von 1072,50 €. Genau genommen hast du keinen Gewinn von 70 € sondern nur einen Gewinn von 67,50 €, da du auch beim Kauf Gebühren von 2,50 € hattest.

  • Hallo Urvater,

    vielen Dank für deine Perspektive – ich finde es spannend, dass du Variante 1 für dich bevorzugst.
    Man könnte allerdings einwenden, dass die 1.072,50 € zwar tatsächlich eine Einnahme aus Aktien darstellen, es sich dabei aus meiner Sicht aber nicht um Gewinn handelt. Denn Gewinn ist ja letztlich: Gesamterlös – Investitionskosten – Gebühren – Steuern = Gewinn.

    Ich habe deshalb zusätzlich 6× einen Kauf und einen anschließenden Verkauf von je 10 Aktien à 100 € simuliert.

    Das führt zu folgendem Ergebnis:

    • Investiert: 7.017,50 €
    • Erlöse aus Verkäufen: 7.057,50 €

    Auf den ersten Blick sieht das ganz ordentlich aus. In Wirklichkeit ist aber nichts „gespart“ oder „investiert“, weil alles wieder verkauft wurde. Der tatsächliche Gewinn liegt bei rund 40 €, der Rest ist durch Gebühren aufgezehrt worden.

    Unterm Strich wirkt die Realität im Vergleich zu dem, was die Cashflow-Ansicht zunächst suggeriert, also deutlich weniger attraktiv.

    Ich bin gespannt, ob wir in diesem Thread noch weitere Möglichkeiten zur Kategorisierung aufgezeigt bekommen.

  • Hallo Agathe B. ,

    du versteifst dich hier zu sehr darauf, dass die Kontenauswertung deinen Anlageerfolg darstellen soll. Die "Geldkonten" sind dafür aber nicht gedacht. Diese sollen deine Einnahmen mit den Ausgaben ins Verhältnis setzen. Bei deinem Beispiel steht der Aufwand eben nicht zum Ertrag. Ich würde deine "Kursschwankungen" nicht in die Zahlungen aufnehmen. Denn korrekt umgesetzt müsstest du hier auch das FiFo Prinzip beachten.
    Käufe sind Ausgaben und Verkäufe sind Einnahmen. Du kannst hier auch deine Steuern und Gebühren mit rein nehmen. In den Auswertungen zum Verrechnungskonto würde hier unter "Einnahmen und Ausgaben" -> "Cashflow: Buchungen nach Lebensbereich und Monat" dir genau das zeigen, was du auch schon in deinem Screen darstellst. Dein Gewinn ist für den Aufwand zu gering oder besser gesagt deine Strategie geht nicht auf.

    Leider ist das Depot innerhalb von Mein Geld nur stiefmütterlich umgesetzt. Aber die Reiter "realisierte Gewinne" und "Spesenübersicht" bieten zumindest einen Teil, den man benötigt. Solange du Anteile der Aktien noch besitzt kannst du das auch im Reiter "Vermögensübersicht" einsehen. Eine Erweiterung würde hier gut tun.

    Wenn dein Hauptaugenmerk auf der Performance deines Depots liegt, musst du hier leider andere Möglichkeiten nutzen. Ich persönlich nutze hier Portfolio Performance. Leider müssen hier die Transaktionen manuell erfasst werden. Dafür ist es kostenfrei und bietet für meine Bedürfnisse eine gute Ansicht über die Performance. Allerdings alles ohne echte Auswertungen, wenn man über die Diagramme zum Vermögensverlauf oder zur Performance hinweg sieht. Einige grundsätzliche Berechnungen sind standardmäßig umgesetzt und über den gewünschten Zeitraum berechnet.

  • Leider ist das Depot innerhalb von Mein Geld nur stiefmütterlich umgesetzt.

    Depots sollen halt von Anfang an in Mein Geld nicht verwaltet und analysiert werden, sondern es werden nur die Informationen gepflegt, die benötigt werden, um den Vermögensstand/-verlauf insgesamt inkl. der Depots abbilden zu können.

    Das hat nichts mit "stiefmütterlich" zu tun, sondern mehr war nie geplant und ist meines Wissens nach auch nicht für die Zukunft geplant.